Buchveröffentlichung mit System

Was es heißt, ein Autor zu werden

Es gibt viele Gründe dafür, ein Buch zu veröffentlichen. Sei es die Weitergabe von fachlichem Wissen, das langfristige Ziel einer Professur, der Wunsch nach einer größeren Reichweite oder der (hoffentlich positive) Einfluss auf die Emotionen und Einstellungen der Leser.

Hat sich eine Idee manifestiert, sollte zunächst ein grober Plan aufgestellt werden. Kaum etwas ist ärgerlicher, als mitten im Text den Faden zu verlieren oder im schlimmsten Fall sogar gar keinem zu folgen. So sollte vorher festgelegt werden, um welche Genre es sich handelt, wer und was mit dem Buch erreicht werden soll und welche Inhalte eingefügt werden. Zusammengefasst bedeutet das: Zuerst die Idee, dann die Struktur, dann die Schreibarbeit. Sobald das Konzept steht, kann das Buch oder der erste Teil davon geschrieben werden. Dann geht es im nächsten Schritt um die Verlagsfindung.

Auch dabei gibt es einige Stolperfallen zu beachten: Bevor man quasi blind sein Manuskript versendet, sollte man dringend die Vorgaben der einzelnen Verlage prüfen. Durchgesetzt hat sich vor allem das Format der sogenannten Normseite: Jede Seite sollte 30 Zeilen mit je 60 Anschlägen beinhalten. Die gewünschte Schriftart ist meist Courier New. Mit dieser Formatierung können Sie selbst schon gut abschätzen, wie groß der Umfang des fertigen Werks sein wird. Meist ist zudem eine Zusendung per Mail möglich. Dennoch gibt es Verlage, die den Postweg präferieren. Der geforderte Umfang variiert ebenso: Während manchmal nur ein frei wählbarer Textauszug gewünscht ist, fragen manche Verlage auch nach einer bestimmten Anzahl von Kapiteln. Besonders wichtig ist zudem die Erstellung eines Exposés.

Das Exposé ist keine Werbung

Das Exposé fasst die Inhalte ihres Buches kurz zusammen und soll den Lektoren einen Überblick verschaffen. Dies fungiert zwar als eine Art Überzeugungswerkzeug, dennoch sollten sie das Ganze nicht wie eine Werbung oder eine Vorschau betrachten – lassen Sie also beispielsweise nicht das Ende offen. Ein Exposé muss keine Spannung aufbauen und darf keinesfalls die Kernaussage auslassen.

Nehmen Sie sich also Zeit für die unterschiedlichen Bewerbungen und befassen Sie sich stets mit den individuellen Vorgaben. Die Verlage bekommen jeden Tag eine Unmenge an Manuskripten zugesendet, Sie sollten sich daher nicht direkt durch fehlende Angaben oder ein falsches Format disqualifizieren.

Bei der Auswahl eines Verlages bzw. einer Veröffentlichungsform gibt es zudem einige weitere Punkte, die Sie im Auge haben sollten.

Finanzielle Beteiligung des Autors?

Die einzelnen Verlage unterscheiden sich nicht nur durch ihre Themenschwerpunkte, sondern vor allem auch in der Verlegungsform. Dies ist für Sie als Autoren besonders wichtig, da Sie unter Umständen ordentlich zur Kasse gebeten werden könnten.

So gibt es zum Beispiel Verlage, bei denen der Autor keinerlei Geld zahlt und dann bei  Veröffentlichung (mit Abgaben an den Verlag) verdient. Im Gegensatz dazu existieren auch so genannte Zuschussverlage. Hier zahlt der Autor einen individuell festgelegten Anteil, zum Beispiel für die Covergestaltung oder anfallende Lektoratskosten. Erfahrungsgemäß ist der Gewinn für den Autor dann letztlich sogar höher, als bei zuschussfreien Verlagen.

Nicht zu verwechseln ist diese Form mit den sogenannten Pseudo- oder Druckkostenzuschussverlagen. Lassen Sie davon dringend die Finger,  denn hier tragen allein Sie das volle Risiko, gehen dabei in Vorkasse und müssen gegebenenfalls sogar noch zusätzliche Kosten decken, zum Beispiel weil Werbemaßnahmen finanziert werden sollen oder andere Dienstleistungen nötig sind.

Auch eine selbstständige Publikation ist möglich. Hier sind sie für alle nötigen Maßnahmen zuständig und müssen natürlich auch die Kosten tragen. Vergessen Sie dabei nicht das nötige Know-how bezüglich Klappentext, Design und Covergestaltung. Auch ein Lektorat wird dringend empfohlen. Hier können Sie gerne im Freundeskreis nachfragen, falls sprachliches und stilistisches Talent besteht.

Auch die Vermarktung liegt ganz bei Ihnen. Wenn Sie diesen Punkt vernachlässigen, wird niemand Ihr Buch kaufen. Und das nicht, weil der Inhalt schlecht ist, sondern weil schlicht und ergreifend niemand weiß, dass es existiert. Ein hilfreiches Werkzeug sind Rezensionen, die online abgerufen werden können. Auch hier können Sie Freunde um Familie um Unterstützung bitten. Sollten Sie also selbst veröffentlichen wollen, fragen Sie sich: Was möchte ich damit erreichen und wie viel kann und will ich dafür investieren?

Das Wichtigste in Kürze

Festzuhalten ist nun, dass zwar viele Wege nach Rom führen, diese sich aber deutlich unterscheiden. Während Pseudoverlage leider riesigen Gewinn damit machen,  (vor allem neuen) Autoren das Geld aus der Tasche zu ziehen, existieren auch zahlreiche seriöse Anbieter. Informieren Sie sich daher intensiv und vor allem kritisch mit den Angeboten und achten Sie dabei stets auf die individuellen Forderungen. Natürlich steht es Ihnen auch frei, einen eigenen Verlag zu gründen. Dies ist jedoch mit weitaus mehr Aufwand verbunden.

Fest steht: Das fertige Buch in den Händen zu halten, ist ein unfassbar gutes Gefühl – ganz egal aus welchen Gründen es geschrieben wurde.

Über den Author

Stefan Lesting

Stefan Lesting ist Geschäftsführer der Lesting Media & Consulting. Zusammen mit seinem Team berät er Unternehmen und Organisationen zu den Themen Reichweitensteigerung, Social Media und Digitale Transformation. Lesting hält in diesen Bereichen regelmäßig Vorträge und leitet Workshops.

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