In den letzten Wochen habe ich bei den verschiedensten Organisationen über Social Media gesprochen. Auffällig häufig wurde dabei die Frage gestellt, wie ein Einstieg in Social Media erfolgen sollte. Ganz platt gefragt hieß das dann „ganz oder gar nicht“?

In meinen Augen ist dies schon die richtige Frage und meine Antwort werden sie sicherlich erraten können, doch erst einmal ein Blick zurück. In der Vergangenheit war es oft so, dass Unternehmen und Projekte sich den sozialen Netzwerken komplett entzogen haben von offizieller Seite. „Wir sind da bisher noch nicht drin und warten mal ab ob wir da mitmachen müssen.“ war so eine typische Aussage. Eine andere typische These war: „Ein paar von unseren Mitarbeitern nutzen das, aber das ist ja alles privat und das reicht doch, wenn die Mitarbeit ihre Freizeit damit vergeuden.“

“Das Internet und Social Media gehen einfach nicht weg.”

Dies sind spannende Thesen, die sehr zum Ausdruck bringen wie viele kirchliche Organisationen und Unternehmen, aber auch viele traditionell verwurzelten Unternehmen in der freien Wirtschaft mit dem Thema Social Media umgegangen sind. Doch nun reden wir schon seit einigen Jahren von Social Media und dieses Phänomen geht schlichtweg nicht weg und so merken viele Unternehmer und Führungskräfte, dass sie sich der Herausforderung stellen müssen.

Wie wichtig es ist zeigt, dass oftmals schon ein Großteil der Belegschaft aktiv den einen oder anderen Account im Web 2.0 hat und auch aktiv nutzt. Rund ein Viertel der Deutschen sind aktive Facebooknutzer und nicht zu vergessen ist auch, dass YouTube eine der am stärksten frequentierten Plattformen weltweit ist und ebenfalls in die Kategorie Web 2.0 fällt.

Einstieg in Social Media

Doch zurück zur Ausgangsfrage mit welcher Kraft ein Einstieg in die Sozialen Netzwerke durch Organisationen erfolgen sollte. Die diplomatische Antwort ist wohl, dass ein Einstieg sehr gut durchdacht sein muss. Passen Produkt und Personen zusammen, kann ein Input aus dem Social Web in die vorhandenen Prozesse implementiert werden sind Fragen mit denen man sich vor dem Start auseinandersetzen muss.

Meiner Erfahrung nach kann zwar ein Einstieg mit wenigen Ressourcen funktionieren, doch ist er mit sehr vielen Risiken belastet und der Wirkungsgrad ist in den meisten Fällen zu niedrig. Von einem kleinen Einstieg ist somit in meinen Augen abzusehen, da Frust und Enttäuschung in den meisten Fällen überwiegen werden. Konkret sichtbar wird dies oft wenn die Urlaubszeit naht und für den „Social Media Manager“ keine adäquate Vertretung gefunden wird.

Die Ressourcenfrage Web 2.0

Besser dagegen ist ein gut geplanter Einstieg mit mehr Ressourcen. Denkbar sind zum Beispiel 1,5 Stellen mit der Option diese bei Erfolg sehr kurzfristig aufzustocken. Dies ist in meinen Augen das Minimum und nach oben hin sind die Grenzen sicherlich unbegrenzt, doch würde ich sie einmal auf 3 Personen auch bei größeren Projekten begrenzen.

In meinen Augen teilen die 1,5 Stellen sich in eine volle und eine halbe Stelle auf. Allein schon auf Grund von Urlaubsvertretungen ist es sinnvoll, dass zwei Personen mit an Board sind. Darüber hinaus ist es sinnvoll, dass der Projektleiter (mit der vollen Stelle) zum einen Teil mit in den Sozialen Netzwerken als Community Manager mit unterwegs ist, aber auf der anderen Seite Projekte initiiert, Analysen fährt und sich darum kümmert, dass Social Media auch innerhalb der Organisation zum Thema wird.

Gerade eine Reflektion der Userkommentare können Organisationen weiter nach vorne bringen in der Weiterentwicklung. Darüber hinaus sammeln Social Media Manager in der Regel wichtige Informationen in Bezug auf Medientrends oder aber Entwicklungen der mittelbaren oder unmittelbaren Konkurrenz. Somit kann Social Media für Firmen und Organisationen ein großes Potential darstellen, um Business Development zu betreiben.

Die Stellung von Social Media Managern in der Organisation

Was bei einem Einstieg in Social Media Aktivitäten unbedingt aber bedacht werden muss, dass ist die besondere Stellung die Social Media Manger in einer Firma einnehmen. Sie haben ein großes Wissen und dieses muss in die bestehenden Prozesse mit integriert werden. Vor einigen Jahren gab es des Öfteren den Begriff von Social Media als „360° Instrument“. Dabei wurde insbesondere aber auch Social Media als Feedback-Kanal verwiesen, doch sehe ich in Social Media weitaus mehr Potential, denn Feedback alleine zu bestehenden „Produkten“ und Angeboten bedeutet nicht, dass sich Organisationen auch weiterentwickeln.

Ich denke insbesondere, dass Social Media ein nützliches Tool ist, das neben dem Kundenservice auch in der Organisationsentwicklung eine stärkere Gewichtung erhalten muss. Die Erfahrungen, die Social Media Manager täglich in ihrer Arbeit, aber auch insbesondere bei Schulungen von Kollegen oder Mitarbeitern erleben könnten als wichtige Indikatoren genutzt werden, um Aspekte für die Organisationsentwicklung zu erhalten, doch dafür braucht es eine gute Verortung innerhalb der Organisationen.

Mein Fazit wäre somit, dass Social Media für Organisationen ein Muss sein sollte, wenn ein Interesse daran besteht sich für die Zukunft aufzustellen, denn Social Media ist nicht mehr weg zu denken und die digitale Transformation nimmt stetig weiter Gestalt an – auch in den klassischen Organisationen.

 

Über den Author

Stefan Lesting

Stefan Lesting ist Geschäftsführer der Lesting Media & Consulting. Zusammen mit seinem Team berät er Unternehmen und Organisationen zu den Themen Reichweitensteigerung, Social Media und Digitale Transformation. Lesting hält in diesen Bereichen regelmäßig Vorträge und leitet Workshops.

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