In meinen Vorträgen werde ich aktuell häufig nach den neusten Apps, Tools und Social Media Plattformen interviewt. Die Fragenden wollen die nächsten Trends nicht verpassen und beim nächsten großen Ding auf jeden Fall mit dabei sein.

Ich tue mich bei dieser Frage nach der Zukunft und den coolsten, tollsten und geilsten neuen Tools mittlerweile sehr schwer, denn aktuell wird sprichwörtlich eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben, doch es gibt kaum bis gar keine Plattformen, die irgendwie noch großartig innovativ erscheint und eine Durchschlagskraft auf dem Markt entwickelt.

Für den Moment stelle ich die Suche nach Innovationen noch ein wenig zurück und empfehle lieber über Veränderungsprozesse nachzudenken. Ein Prozess, der in meinen Augen dabei die größte aktuelle Relevanz in Bezug auf die Digitalität unser Gesellschaft hat, und bekommt, ist die „digitale Transformation“.

Menschen müssen umdenken, weiterdenken und neu denken

Mit der digitalen Transformation werden insbesondere Prozesse beschrieben, um Firmen in das digitale Zeitalter zu führen und neue Geschäftschancen zu erschließen. In meinen Augen geht diese Definition aber noch nicht weit genug, denn es geht bei der digitalen Transformation nicht nur um wirtschaftliche Interessen, wenngleich dies primär unsere Gesellschaft an dieser Stelle antreiben, sondern es geht dabei insbesondere um die sich notwendige verändernde Denkweise der Menschen.

Ob bewusst oder unbewusst, der Faktor Mensch in der Gesellschaft wird in diesem Zusammenhang oftmals vergessen und das zu Unrecht, denn er ist derjenige der sich in der digitalen Transformation am stärksten verändern muss. So geht es nicht darum, dass Firmen ihre Arbeitscomputer abschaffen und dafür Tablets kaufen, es geht auch nicht darum Social Media Guidelines oder andere Policies in den Unternehmen zu verabschieden, sondern es geht darum das der Mensch querdenkt, anders denkt und vor allem mit einem digitalen Potential für unsere Gesellschaft denkt.

Selbstfahrende Autos als Mittel gegen Wohnungsknappheit

Wie wäre es mit der Aus- und Weiterentwicklung von Smartphone-Apps, um Nachbarschaftsnetzwerke aufzubauen mit dem Ziel die Einbruchszahlen zu reduzieren? Eine App ist digital gesehen keine Revolution, aber wird es wenn der Mensch diese aktiv nutzt.

Oder wie wäre es mit selbstfahrenden Carsharing-Autos im ländlichen Raum, um der Wohnungsknappheit und der fehlenden bzw. schlechten ÖPNV-Anbindung zu den Großstädten für Arbeitnehmer zu begegnen? Auch hier gilt es keine großen Innovationssprünge zu machen, sondern bestehende gute Projekte miteinander zu verbinden, die dadurch zu einer Innovation werden.

Technik ist für den Mensch da und nicht der Mensch für die Technik

Gerade am Beispiel des selbstfahrenden Carsharing-Autos wird in meinen Augen das Potential sehr stark deutlich, wenn der Mensch an dieser Stellt mitdenkt und umdenkt. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass hier nicht nur die Automobil- und die Versicherungsbranche oder der pendelnde Arbeitnehmer durch solch ein Auto in seiner Lebensweise berührt wird, sondern ebenfalls das gesellschaftliche Miteinander neu gelebt und definiert werden kann. Dabei ist die Technik als Unterstützer des Menschen zu sehen, denn die Technik ist für den Mensch da und nicht andersherum.

Online-Gaming in Sportvereinen

Was die digitale Transformation auch bringen mag, es ist wichtig sich mit dem Thema zu beschäftigen, auszuprobieren und zu lernen. Wir werden dabei keine großen Revolutionen erwarten können, aber kleine Revolutionen allemal. Und wir werden uns der Veränderung stellen müssen, wenn wir an unsere Fähigkeiten als soziale Gesellschaft glauben.

Letzteres gilt dabei gleichermaßen für Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und auch jeden Einzelnen, denn Transformationsprozesse werden neben unserem Arbeitsalltag auch unsere Freizeit beeinflussen. So sollten Sportvereine sich fragen, ob sie Angebote für Online-Gamer schaffen oder Musikschulen nicht stärker auf eLearning umsteigen. Die Herausforderungen der digitalen Transformation betreffen viele Bereiche und Erfolg wird es überall dort geben, wo die Digitalität als ein Teil des menschlichen Lebens betrachtet wird.

Über den Author

Stefan Lesting

Stefan Lesting ist Geschäftsführer der Lesting Media & Consulting. Zusammen mit seinem Team berät er Unternehmen und Organisationen zu den Themen Reichweitensteigerung, Social Media und Digitale Transformation. Lesting hält in diesen Bereichen regelmäßig Vorträge und leitet Workshops.

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