Sinus Mileu - Moderne Performer - Junge Menschen

Eine Reihe von Artikeln ist in den letzten letzten Monaten entstanden in denen ich mich mit der Lebenswelt junger Menschen auseinandergesetzt habe. Nachdem in dem gesterigen Artikel die Lebenswelt der jungen Menschen allgemein beschrieben wurde steht heute die Gruppe der 14 bis 19 jährigen “Modernen Performer” aus der Sinus Milieu Studie U27 im Fokus. Die Modernen Perfomer gelten als Leitmilieu und sind von daher für die Gesellschaft von besonderer Wichtigkeit.

Die Basisorientierung der 14 bis 19 jährigen jungen Menschen ist, dass sie ein hohes Bestreben nach der persönlichen Selbstverwirklichung und auch einem intensiven Leben haben. Schlüsselwörter, die das Milieu sehr gut beschreiben sind: mobil, kreativ, flexibel und innovativ.

Die Modernen Performer möchten immer den maximalen Erfolg und wenden dafür viele Energien. Dabei gehen sie ein hohes Risiko ein, sind dabei sehr pragmatisch, setzen einen hohen Fokus auf realistische Ergebnisse und beziehen sehr stark Sicherheits- und Statusaspekte mit in die Überlegungen ein.

Der soziale Status dieser Personengruppe ist mittel und hoch. Das bedeutet, dass sie eine gute Erziehung haben und dass in den meisten Fällen zu Hause ein geordnetes Umfeld vorliegt.

Rund 25 Prozent aller Jugendlichen sind in dieser Milieugruppe. Die Modernen Performer unterscheiden sich klar von anderen Milieus. Dabei kann angenommen werden, dass dies auf eine arrogante Art und Weise passiert. Doch muss hier bemerkt werden, dass dies nicht der Realität entspricht. Dies erklärt sich recht einfach durch die Tatsache, dass der Moderne Performer der Meinung ist, dass jeder nach seinem eigenen persönlichen Stil leben muss, so dass hier kein Konflikt entsteht.

Die Freizeit teilen diese jungen Menschen oft mit anderen; bei Partys und dem Besuch von Veranstaltungen, dem Treffen von Freunden und beim Genuss des Lebens. Doch dies geschieht immer mit dem Ziel der kontinuierlichen persönlichen Weiterentwicklung. So haben auf diese Art und Weise alle Aktivitäten ein (verstecktes) Ziel. Das Treffen mit Freunden in der realen Welt (offline) oder aber im Internet (online) hat dabei zum Beispiel die Bedeutung, dass Kontakte hergestellt werden, welche zukünftig noch einmal wichtig werden könnten. Viele Reisen und das Sammeln von Erfahrungen sind alltägliche Aktivitäten und die Bindung an Orte darf immer nur temporär gesehen werden.

Der Bedarf nach Erfolg ist sehr hoch und Grenzen werden nicht akzeptiert. Wenn die Rede von Technologie ist, dann gehören sie oftmals zu den „early adopters“, zum Beispiel in dem Gebiet von Mobiltelefonen, aber auch als Nutzer der neusten Innovationen im Internet.

Oftmals übernehmen die Modernen Performer auch repräsentative Jobs in ihrer Klasse oder Schule. Wenn Projekte anstehen, dann sind sie auch die Personen, die Verantwortung für die organisatorischen Punkte übernehmen. Ihr Verhalten wird durch den Umstand begründet, dass sie sich ausprobieren und sich selbst und gegen andere beweisen wollen um Teil einer „neuen Konstruktion“ zu sein. Im Besitz der Möglichkeit eigene Ideen in Projekte und Prozesse einzubinden gibt ihnen Respekt von anderen und sind Momente des Erfolges.

Die Personen von diesem Milieu verbringen sehr viel Zeit in ihrem sozialen Umfeld und ein ehrenamtliches Engagement scheint von daher nicht möglich zu sein. Die einzige Chance diese Personen zu aktivieren ist einen zeitlich fixierten Rahmen zu schaffen wie in der Projektarbeit. Sich ein oder zwei Jahr zu engagieren ist nicht möglich, da die perfektionistische Erwartungshaltung in Konflikt mit ihrer unsicheren Zukunft steht und sie nicht garantieren können langfristig dabei zu sein und auf der anderen Seite auch niemanden enttäuschen möchten.

Die Rolle der Religion ist eine sehr pragmatische. Auf der einen Seite wird es als gut empfunden, dass es Kirche gibt, aber auf der anderen Seite fehlt eine Verbindung der Kirche zu der modernen Welt, welche Religion wiederum uninteressant erscheinen lässt.

So wird Kirche generell nicht als Bedrohung von den Modernen Performern gesehen, sondern als eine Sache, aus der ein persönlicher Nutzen gezogen werden kann, durch die Menschen, die Gemeinschaft und die Projekte, welche mit der Kirche verbunden sind. In dieser Art und Weise wird die gegebene Struktur akzeptiert, aber auf der anderen Seite auch kritisch beschaut.

Um die Situation mehr zu erklären, muss zwischen der „Institution Kirche“ und der „realen Kirche“ unterschieden werden. Die Institution Kirche besteht aus den Bischöfen, dem Vatikan und dem Papst. Die Meinungen dieser werden toleriert, aber die Jugendlichen realisieren deren „Vorschläge“ nicht in der Praxis. Mit dem Begriff „reale Kirche“ wird die Idee von Kirche beschrieben als Gemeinschaft mit einem Glauben an etwas Übernatürliches: Gott.

Toleranz ist dabei auch ein großes Wort. Es ist von daher zum Beispiel kein Problem den Papst zu mögen – auch wenn dessen Meinung nicht geteilt wird – da er eine starke Führungspersönlichkeit ist.  Solange er nun dem Modernen Performer nicht direkt etwas tut, was dessen Leben beeinflusst, so wird dieser akzeptiert. Aus dieser Sicht ist es für diese Personengruppe auch kein Problem Mitglied der katholischen Kirche zu sein und vielen ist es sogar in einigen Situationen sehr wichtig, denn die kirchlichen Gemeinschaften sind den Gemeinschaften, in denen die Modernen Performer sich bewegen sehr ähnlich.

Darauf aufbauend wünschen sich auch viele eine weiße Hochzeit in ihrem späteren Leben. Und wenn über die Zukunft geredet wird, so ist das Hauptziel eine gute Balance zwischen einem sehr erlebnisreichen Leben und einen festen Platz für sich selber in der Gesellschaft zu finden. Reisen und das Erkunden von anderen Ländern während des Studiums gehört damit zum Alltag – auch natürlich wieder sehr pragmatisch gesehen – um die eigene Persönlichkeit mehr von anderen zu unterscheiden und näher an den Punkt der Selbstverwirklichung zu gelangen.

>> Siehe auch Blogeintrag: Lebenswelt von jungen Menschen
>> Siehe auch Blogeintrag: Moderne Performer – Junge Erwachsene

Über den Autor

Stefan Lesting

Stefan Lesting ist Geschäftsführer der Lesting Media & Consulting. Zusammen mit seinem Team berät er Unternehmen und Organisationen zu den Themen Reichweitensteigerung, Social Media und Digitale Transformation. Lesting hält in diesen Bereichen regelmäßig Vorträge und leitet Workshops.

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