Kurznachrichten als virtueller Handkuss

Die Vor- und Nachteile von Messengerdiensten aus Unternehmersicht

Kurznachrichtendienste erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Selbst Menschen der älteren Generation verschicken gern Fotos von Katze oder Enkelkind. Im Juli 2017 nutzten beispielsweise 1,2 Milliarden Menschen den Whatsapp-Messenger, dieses Jahr sind es bereits 1,5 Milliarden Nutzer.

Kein Wunder also, dass viele Unternehmen von dieser enormen Reichweite profitieren möchten: Denn wer seine Kunden per Messenger erreichen kann, ist klar im Vorteil. Da die meisten Menschen diese Form der Kommunikation vor allem für ihre privaten Kontakte nutzen, wird der Kontakt zum Unternehmen, z.B. durch einen WhatsApp-Newsletter, gleich viel persönlicher: Es ist nicht länger nötig, manuell seine E-Mails abzurufen, im Gegenteil: Interessante Neuigkeiten erscheinen ganz automatisch zwischen den Texten von Freunden, Bekannten und Familie.

Das Unternehmen als selbstverständlicher Begleiter im Alltag

Das Unternehmen nähert sich der Zielgruppe somit auf eine neue, viel persönlichere Art. Fast schon könnte man von einem virtuellen Handkuss sprechen, denn der Newsletter wird genauso geöffnet und gelesen, wie die Nachricht vom besten Freund oder der Mutter. Durch diese ständige Erreichbarkeit wird es zudem deutlich einfacher, den eigenen Konzern im Leben der Zielgruppe bzw. den Mitarbeitern, ganz selbstverständlich zu integrieren.

Ein weiterer Vorteil: Kein Medienformat wird dabei ausgeschlossen: Videos, Bilder, Links, Texte – alles kann binnen Sekunden versendet und empfangen werden.

Vor allem durch gezielte Verwendung von Emojis können das Firmenimage bzw. einzelne Aussagen persönlich, modern, jung, lebendig und ansprechend gestaltet werden. Auch ist es möglich, direkt mit den Empfängern zu kommunizieren. So kann beispielsweise ein Radiosender erfahren, welche Musik sich die Hörer wünschen und über welche Themen gesprochen werden soll. Interaktion mit der Zielgruppe war nie leichter.

Conversion als Herausforderung

Ein wichtiger Vorteil von Messengerdiensten ist zudem, dass nicht nur komplett andere Zielgruppen integriert werden können, sondern auch eine höhere Leserate erreicht werden kann. Während Emails oft ungelesen gelöscht werden und nur rund 10% der Empfänger auf enthaltene Links klicken, erreichen Kurznachrichtendienste eine viel größere Resonanz. Dies liegt vor allem an der persönlichen und direkten Form der Kontaktierung. Auch sind Messengerdienste noch nicht so überlaufen wie die Informationen die uns per E-Mail erreichen.

Doch wie richtet man einen Messenger-Newsletter ein und was sollte dabei beachtet werden? Die wohl größte Herausforderung ist die Conversion: Wie kann man Leute dazu bringen, sich für den Newsletter per Messenger anzumelden? Bei dieser Überlegung wird schnell klar: Es werden Werbemittel benötigt. Und diese gilt es, zu finanzieren. Erfahrungsgemäß ist derzeit pro „qualifizierten“ Abonnent von je 70-90 Cent reiner Werbeausgaben auszugehen, zuzüglich dem dafür notwendigen Personalaufwand für die Betreuung und Beantwortung von Reaktionen aus der Community: Durch die besonders persönliche und vor allem einfache Form der Zulieferung sind die Menschen eher geneigt, „mal eben“ zwischen zwei Handgriffen in der Küche zu antworten.

Auch für die interne Kommunikation im Unternehmen sind Messengerdienste gut geeignet. Während Intranets kaum eine Erleichterung für Mitarbeiter darstellen, sind Kurznachrichtendienste viel effektiver. Sie können sowohl für (kurze) Unterhaltung sorgen, als auch für eine schnelle und klare Kommunikation genutzt werden. So lassen sich Mitarbeiter zum Beispiel gezielt motivieren und Informationen schnell, übersichtlich und direkt verbreiten. Die Arbeitsmoral und Stimmung der Angestellten lässt sich somit gut beeinflussen. Auch das Firmenbild kann auf diesem Weg moderner und zum Beispiel durch kurze Anekdoten oder Videos, positiver dargestellt werden.

Auch der Zeitaufwand sollte nicht vergessen werden: Mindestens 1-2 Mal in der Woche sollte ansprechender Content versendet werden. Es stellt sich also die Frage: Was will ich erreichen und wie viel (sinnvolles) habe ich regelmäßig zu erzählen? Ebenfalls sollte dringend bedacht werden, dass die Gestaltung der Botschaften auch abhängig von der jeweiligen Plattform ist. So sind die Entwürfe für Whatsapp, Telegram & Co zwar gleich, Facebook und Instagram unterscheiden sich jedoch in Handhabung und Design. Ein Beispiel dafür sind die Hashtags, die auf Instagram zwar obligatorisch sind, bei WhatsApp aber nichts zu suchen haben. Auch ist es unverzichtbar, mit der Zeit zu gehen und zu lernen, welche Emojis, Themen und Darstellungsweisen besonders gut ankommen.

Was wollen Sie mit wie viel Aufwand erreichen?

Ist die Entscheidung gefallen, einen Newsletter zu starten, können seriöse Anbieter, wie z.B. messengerpeople bei der Erstellung helfen. Der Weg zum Kundenservice per Messenger hat dort jedoch seinen Preis. Mit knapp 500 Euro monatlich wird hier ganz klar ein bestimmtes finanzielles Niveau vorausgesetzt.

Es lässt sich also festhalten: Unternehmen können durchaus von Messengerdiensten profitieren. Dennoch sollten alle Eventualitäten abgeklärt werden und zugleich jeglicher Aufwand berücksichtigt werden. Stellen Sie sich also die folgenden zwei Fragen: Was kann und was möchte ich mit wie viel Aufwand erreichen? Wie viel kann und möchte ich finanziell bzw. zeitlich finanzieren und wie viel interessanten Content kann ich pro Woche bieten?

Über den Author

Stefan Lesting

Stefan Lesting ist Geschäftsführer der Lesting Media & Consulting. Zusammen mit seinem Team berät er Unternehmen und Organisationen zu den Themen Reichweitensteigerung, Social Media und Digitale Transformation. Lesting hält in diesen Bereichen regelmäßig Vorträge und leitet Workshops.

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