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Twitter Beichte im Selbstversuch – Update

Freitag, 20. November 2009 | Autor: Stefan

twitter_beichteVorgestern Abend um kurz vor 23 Uhr postet vaticarsten, ein Kaplan aus dem Saarland, dem ich bei Twitter folge diesen Tweet:  „Bin mal gespannt, wann ich meine erste Beichte per Twitter-DM reinkrieg…“. Diese kurze Nachricht ist Anlass genug für mich auf dieses Thema einzusteigen.

Im ersten Schritt denke ich mir, dass probiere ich aus – klar ist mir bewusst, dass eine Twitterbeichte nicht gültig ist, aber ich frage mich was wohl passiert, wenn ich Carsten jetzt eine „Direct Message“, also eine persönliche Nachricht schreibe.

Mit einem Klick sage ich meinem Twitterprogramm, dass ich eine Kurznachricht an Carsten schreiben möchte. Die ersten Überlegungen gehen in die Richtung, was kann ich denn jetzt vernünftiges schreiben?

Mir fällt nicht wirklich etwas ein, da es mit der Beichte ja nicht immer so ein leichtes Thema ist. Nach kurzer Zeit kommt dann der Pragmatiker in mir durch und ich erinnere mich an die Beichte vor meiner Erstkommunion, wo man ziemlich aufgeregt war und auch nicht wusste, was man dem Pastor erzählen sollte. Am Ende hat man dann einfach erzählt, dass man seinen Freund geärgert hat oder mal einen Bekannten angelogen hat. Damit war dann für diese – nicht ernstzunehmende – Twitterbeichte der Inhalt auch schon ganz einfach gefunden.

Dachte ich zumindest, denn wie es bei Twitter nun einmal der Fall ist, stehen einem nur rund 140 Zeichen zur Verfügung und da ich eine Direkt Message an vaticarsten schicken wollte blieben automatisch nur noch 127 Zeichen zur Verfügung. So fing ich kurz und knapp an zu schreiben, aber es waren viel zu viele Zeichen. Meine Stimmung, die einen Augenblick zuvor noch recht euphorisch war, senkte sich mit dieser Tatsache, dass die Technik hier gar nicht mitspielt. Damit verbunden kamen dann auch gleich Zweifel auf, ob ich den Versuch wirklich weiter durchführen sollte.

Ich habe es gemacht und so kürzte und kürzte ich die Nachricht, bis es passte. Vom eigentlichen Inhalt war nicht mehr viel übrig und so musste ich jetzt darauf vertrauen, dass die Nachricht richtig von der Gegenseite interpretiert wird. Mittlerweile hatte ich über Twitter nun auch öffentlich kommuniziert, dass ich das Angebot von Carsten angenommen habe und prompt kamen auch schon die ersten Reaktionen darauf. Angefangen von „@baumarti als wenn du was zu beichten hättest ;) “ bis hin zu „@baumarti Jede Sakrament-Handlung braucht die unmittelbare persönliche Begegnung und Beziehung. Web2.0=Alltag. Sakrament=Höhepunkt.“

Damit war nun auch das nächste Problem gegeben, denn eine Beichte ist etwas Persönliches, also irgendwie kam mit der Zeit nun auch noch mehr Aufruhr in mir selbst, dass sich nun mehrere Personen in diesen persönlichen „Prozess“ mit einschalteten. Auch die Antwort auf meine „virtuelle Beichte“ die mich als Direct Message erreichte war nicht befriedigend, denn ich hatte etwas anderes erwartet, wobei wir wieder bei dem Problem waren das 140 virtuelle Zeichen nicht ausreichen.

twitter_beichteOk, kein Grund zur Aufregung oder aber Grund dafür, dass ich mich nun schlecht fühlen musste, denn eine Beichte via Twitter ist ja generell nicht möglich. Dennoch war es für mich auch noch einmal recht hilfreich die Limitation dieses Mediums praktisch in dem Kontext der Spiritualität im Selbstversuch auszuprobieren.

Am Ende bleibt einfach die Erkenntnis, dass Sakramente definitiv nicht virtuell stattfinden/gespendet werden können.

Hier ein Blogeintrag von Carsten, der die Seite des Priesters betrachtet
>> Twitter-Beichten und Ähnliches…

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Thema: Kirche & Glauben, Web

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2 Kommentare

  1. Hallo Stefan.

    Wie du ja selbst sagst & gesehen hast, ist eine sakramentale Beichte per Twitter nicht drin ;-) – und deswegen deine Erfahrung natürlich unbefriedigend.

    Ich habe jedoch eine Beobachtung gemacht, die in eine ähnliche Richtung geht:
    Hin und wieder passiert es, daß sich Menschen mit einem “Problem” an mich wenden (meist per Mail) – und daraus entstehen dann bisweilen fruchtbare Gespräche und Prozesse.

    Ich “verbuche” das dann durchaus als Seelsorge. Man mag es “Geistliches Gespräch light” nennen; es kann aber auch mal in die Tiefen gehen.
    Für manche Menschen mag es hilfreich sein, daß eine gewisse Anonymität gewahrt bleibt. Es fällt ihnen dann leichter, offen zu sprechen.

    Ob sowas per Twitter auch möglich ist?
    Vielleicht ansatzweise, zur Kontaktaufnahme. Auf Dauer wird man aber eher auf Kommunikation per Mail umsteigen. 140 Zeichen reichen nicht, um “in die Tiefe” zu gehen.

    Grüße,
    Carsten.

  1. [...] Die Quittung kam wenige Minuten später: Stefan meldete sich per DM mit einer “Twitter-Beichte im Selbstversuch” – wohl ebensowenig ernst gemeint, wie das von mir abgesetzte [...]

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