15 Jahre aktiv im Altardienst 0
Heute ist ein ganz besonderer Tag in vielerlei Hinsicht. Die einen feiern Halloween, andere begehen den Reformationstag oder aber „All Hallows‘ Even“, den Abend vor Allerheiligen. Seit einigen Jahren ist der 31. Oktober* für meine Messdienergruppe, aber auch in einer weiteren Hinsicht ein besonderer Tag.
Irgendwann im Jahr 1994 war es soweit und zwar wurden ich und viele Weitere aus meinem Jahrgang in die Messdienergemeinschaft meiner Heimatpfarrgemeinde St. Mariä Heimsuchung in Rheine-Hauenhorst aufgenommen. Ich erinnere mich noch wage daran, dass es ein total komischer Mix war aus Panik, etwas beim Altardienst falsch zu machen und Freude. Freude und auch Stolz darüber, dass man nun endlich dazugehörte zu der Gruppe, die aktiv etwas beim Gottesdienst machen durfte.
Neben der freiwilligen Verpflichtung regelmäßig zu ministrieren bedeutete die Aufnahme in die Messdienergemeinschaft aber auch, dass es einen Zugang für die kirchlichen Freizeitangebote gab. Zum einen wöchentlichen Gruppenstunden, aber auch viele über das Jahr verteilte Aktionen, wie Sommerlager, Tagesfahrten, Sternsingeraktionen, Videoabende und viele mehr. Als junger Mensch war dies Angebot damals unheimlich wichtig, da Hauenhorst ländlich gelegen ist und es für die Freizeitgestaltung im Ort sonst nur den Sportverein neben den kirchlichen Angeboten zu dem Zeitpunkt gab.
Die Gruppenstunden fanden in der ersten Zeit vornehmlich in und um die Kirche herum statt. Zuerst wurde unter Anleitung meiner zwei Gruppenleiter noch ein wenig das ministrieren geübt, um ein wenig Routine in die Handlungsabläufe zu bringen. Das war am Anfang ziemlich schwierig, da bei uns in der Gemeinde die Messdiener direkt alle Abläufe eines normalen Gottesdienstes können müssen. Dazu gehören die verschiedenen Aufgaben, wie Kreuz und Kerzenträger, der Altardienst, so wie Gong und Schelle. Wichtige Fragen waren also, wann müssen wir wohin laufen, was müssen wir mitnehmen und wie schlägt man richtig auf den Gong?
Im zweiten Teil der Gruppenstunde stand dann auch immer der Spaß im Vordergrund. So spielten wir meistens rund um die Kirche „Verstecken mit Ballwegschießen“ und mit zunehmender Routine beim Altardienst wurde der Freizeitteil auch immer weiter ausgedehnt. Bei uns wurde in den ersten Jahren viel gespielt und bevor mit zunehmendem Alter dann das „rum chillen“ im Jugendheim begann.
Inhaltliche Gruppenstunden gab es bei uns eigentlich nie mit zwei Ausnahmen, dafür waren wir wenn es um besondere Arbeitseinsätze ging als Gruppe immer an vorderster Front mit dabei. Dabei war es egal, ob der Dachboden des Gemeindehauses aufgeräumt oder in der Kirche zu Weihnachten die Tannenbäume aufgestellt werden mussten. Egal ob Prozession, egal ob schwere Beerdigungen, wir waren die aktivste Messdienergruppe weit und breit und somit immer mit von der Partie!
Aber wer sind denn nun eigentlich Wir. Seit vielen Jahren nennen wir uns „Howie & Colt’s Gruppe“ kurz HCG. Nachdem am Anfang nur Messdiener mit dabei waren, so haben wir uns im Laufe der Zeit doch ein wenig geöffnet und auch Nicht-Messdiener mit in unsere Gruppenstunden aufgenommen. Interessant ist, dass selbst von diesen mittlerweile auch schon alle ministriert haben. Insgesamt sind wir nunmehr rund acht „Gruppenmitglieder“ plus Leiter. Allesamt Jungs aus dem gleichen Schuljahrgang (falls man den Gruppenleiter außer Acht lässt), denn bei uns in der Gemeinde gibt es pro Jahrgang immer eine Mädchen und eine Jungengruppe.
Interessant ist nun auch der Umstand, dass seit dem ersten Dienst am Altar mittlerweile 15 Jahre vergangen sind, was so viel bedeutet wie 15 Jahre wöchentlich einmal Treffen. Natürlich haben sich die Interessen ein wenig verschoben und es schafft auch nicht mehr jeder wöchentlich dabei zu sein. Wobei es gibt dennoch Samstage, wo nach der Samstagsabendmesse alle neun Personen im Gemeindehaus auflaufen und man gemeinsam ein kühles Kaltgetränk zu sich nimmt. Das diese Treffen wöchentlich stattfinden ist im Übrigen kein Scherz und Ausnahmen hat es in den vergangenen 15 Jahren nur so wenige gegeben, dass man sie an zwei Händen abzählen kann.
Beim Thema Messe dienen sieht die Statistik der letzten Jahre dann aber ein wenig anders aus und so bin ich wohl der Einzige, der noch manchmal am Altar als Messdiener steht. Dies ist aber eigentlich nur dann der Fall ist, wenn ich außerhalb meiner Heimatpfarre einen Gottesdienst besuche und dazu eingeladen werde mit zu ministrieren. Zuhause gibt es dafür dann mittlerweile andere Aufgaben, wie zum Beispiel die des Lektor und Kommunionhelfers.
Die letzten 15 Jahre bei HCG, als Messdiener und Teil der katholischen Kirche haben mich natürlich sehr geprägt und hätte ich das Angebot Messdiener zu werden nicht angenommen, dann wäre ich heute nicht an der Stelle, wo ich jetzt stehe. Rückblickend heißt dies auch, dass mir durch diesen Schritt wortwörtlich auch die Welt geöffnet wurde und ich mich nicht ohne dieses kirchliche Engagement so extrem in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hätte. Denn was wäre ich ohne die Projekterfahrungen beim Weltjugendtag in Köln und beim Katholikentag in Osnabrück? Was habe ich nicht alles über Jugendliche und junge Erwachsene gelernt durch meine Gruppenleitertätigkeit und meine Bachelorarbeit in Österreich? Was wäre, wenn ich nicht meine Grenzen während des Zivildienstes in Australien überwunden hätte?..
Ja dann würde ich erstens nicht diesen Eintrag schreiben, hätte sicherlich auch nicht unbedingt internationales Management studiert und würde heute mit vielen die das hier lesen keinen regelmäßigen Austausch haben, zu Fragen rund um die Thematiken Glaube, Kirche & Welt. – Das wäre verdammt schade!
Zum Glück ist es ein Szenario mit dem ich mich nicht intensiv beschäftigen muss und somit bin ich heute nur sehr dankbar dafür, dass es so ist, wie es ist.
Kurz gesagt auch sehr dankbar für 15 Jahre HCG und so freue ich mich darauf, dass heute Abend – natürlich zur Abendmesse – wieder alle zusammentreffen und es im Anschluss, wie es seit Jahren nun samstags schon zur Tradition geworden ist, wir zusammen ein kühles Kaltgetränk zu uns nehmen werden.
*Da der genaue Tag der Einführung unbekannt ist, wurde zum 10 jährigen Bestehen der 31. Oktober aus praktischen Gründen als Jahrestag festgelegt.
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