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  • am 29.07.2009
  • um 16:20 Uhr
  • von Stefan

Religiöse Gruppen auf Community-Plattformen 1

Jul29

web20kircheIdentitäten Kidnapping zeigt Bedarf nach Kommunikation
Es passiert ständig im Internet, dass Identitäten „gekidnappt“ werden. Betroffen sind vor allem berühmte Persönlichkeiten, aber zu den Opfern gehören auch immer häufiger kirchliche Institutionen, wie zum Beispiel die Kirchen- und Katholikentage.

Doch diese wissen in den meisten Fällen gar nicht davon, dass jemand anderes munter in ihrem Namen das digitale Profil der Organisation in einem sozialen Netzwerk pflegt. Darüber hinaus erkennt auch der Internetnutzer meistens sehr schlecht, ob sich zum Beispiel der echte Papst hinter dem vom Namen und Foto passenden Twitter Profil versteckt oder aber ob der Gründer und die Moderatoren der Gruppe „Katholische Kirche“ bei StudiVZ überhaupt irgendwas mit der katholischen Kirche zu tun haben. So gibt es mitunter Fälle, dass sich Personen anonym unter einem Pseudonym als Priester ausgeben und der digitalen Welt ihre Meinung über Glauben, Kirche und Gesellschaft kund tun.

Natürlich schaden solche Initiativen meist mehr der Kirche, als das sie hilfreich sind, denn oftmals besitzt der Schreiber nur ein Halbwissen, welches er dann sehr frei seiner Leserschaft auslegt. Zum Glück handelt es sich hier bisher eher um Einzelfälle. Gleich viel authentischer wirken da Blogs, die von richtigen Geistlichen geführt werden und die mit ihrem Namen für ihre Berufung und Glauben einstehen, wie Carsten, der sich als waschechter Saarländer bezeichnet und Kaplan im Bistum Speyer ist.

Priester als Blogger
In seinem Blog erzählt Carsten regelmäßig von seinem Einsatz als Priester und nennt auch gleich seine drei Geheimwaffen für den Arbeitsalltag – Bibel, Stola und Café. Ein wichtiges Indiz dafür, dass die Seite von vielen Personen regelmäßig angeklickt wird, ist die Anzahl der Kommentare, die teils anonym und teils mit vollständigen Namen auf die Blogeinträge folgen. Im Grunde ist der Blog somit eine moderne Kommunikationsschnittstelle, die auf den katholischen Glauben aufmerksam macht und darüber hinaus eine Möglichkeit für einen direkten Austausch über den Glauben und das Leben bietet.

Da Carstens Blog aus dem Leben eines jungen Geistlichen erzählt und dadurch indirekt für den Beruf des Priesters wirbt, könnte man eigentlich vermuten, dass sich ein entsprechender Hinweis zu dem Blog auf den Internetseiten der Berufungspastoral oder des Priesterseminars des Bistums Speyers befinden. Leider Fehlanzeige, doch wer zumindest andersherum erst von Carstens Blog erfährt, der kann sich wenigstens von hier weiter zu den Seiten der Berufungspastoral Speyer klicken.

Öffentlichkeitsarbeit über Community-Plattformen
Auch an Hand des nächsten Falls wird sichtbar, dass ein digitales Profil aus privater Initiative nicht immer schlecht sein muss, auch wenn es nicht von einem Öffentlichkeitsarbeiter der Einrichtung betrieben wird. So wird zum Beispiel die Facebook-Seite des Ökumenischen Kirchentages inhaltlich gut gepflegt und funktioniert allgemein überaus erfolgreich, wie an den über 250 Freunden, die sich dort in kürzester Zeit zusammengefunden haben, deutlich wird. Mehrmals pro Woche werden die Freunde des Profils mit aktuellen Hinweisen, Links und Hintergründen rund um und über die Veranstaltung, die nächstes Jahr in München stattfinden wird, versorgt.

Community-Aufbau strategisch planen
An der Vielzahl inoffizieller Accounts zeigen sich sehr deutlich zwei aktuelle Probleme der Kirche ab. Zum einen besteht an vielen Stellen der Kirche überhaupt noch kein ausreichendes Bewusstsein, wie wichtig das Medium Internet mittlerweile geworden ist und wie es funktioniert. Zum Anderen schaffen es viele Gruppierungen, Einrichtungen und Verbände anscheinend bisher auch nicht wirklich ein Klima in der Organisation zu schaffen, dass es Ehrenamtlichen, außerhalb von Funktionärstätigkeiten erlaubt, Verantwortung in Teilbereichen und Projekten zu übernehmen. Anders ist es kaum erklärbar, dass die vermeintlichen Kidnapper – oftmals Personen, die in den Organisationen nicht gänzlich unbekannt sind – den Alleingang bevorzugen an Stelle einer viel effektiveren und offiziellen gemeinschaftlichen Zusammenarbeit.

Für beide Seiten stellt eine Zusammenarbeit dabei ein Gewinn dar. Der Ehrenamtliche wird in seinem Engagement bestärkt und die Organisation hat eine Person gewonnen, die dazu beiträgt, die Präsenz in einem wichtigen Medium weiter auszubauen.

Beispiel: Wiener katholische Jugend
Ein sehr positives Beispiel für eine gute Zusammenarbeit zeigt ein recht junges Beispiel bei der Katholischen Jugend Wien. Hier gibt es eine Ehrenamtliche, die seit mehreren Jahren immer wieder auf eigene Initiative kleine Videos von Veranstaltungen gedreht, geschnitten und veröffentlicht hat. Die Veröffentlichung fand dabei auf einem eigens dafür eingerichteten YouTube Channel statt, welcher im letzten August durch ein Twitter Profil ergänzt wurde. Seit kurzem arbeiten nun die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige hauptamtliche Referentin und die Ehrenamtliche gemeinsam an dem Projekt, die Präsenz der Katholischen Jugend Wien im Internet zu steigern. Geändert hat sich auf den ersten Blick zwar nur wenig, doch konnte mit dieser Zusammenarbeit sehr einfach die Präsenz und Reichweite erhöht werden, da die Videos nun neben Twitter auch in anderen von der Katholischen Jugend Wien genutzten Kommunikationskanälen beworben werden. Daneben ist auch festzustellen, dass die Qualität des neusten Beitrages um einiges besser ist, als die vorherigen, was mitunter auch auf einen Motivationsschub hindeutet.

Der Weg, der in diesem Fall in Wien eingeschlagen wurde, hat Vorbildcharakter. Er zeigt wie Einrichtungen, Verbände und Organisationen konstruktiv dem gekidnappten Profil begegnen können. Darüber hinaus regt das Kidnapping auch zum Nachdenken an, ob die bisher gewählten Kommunikationskanäle noch den Bedürfnissen der Personen entsprechen, mit denen kommuniziert werden soll. Vielleicht kommt der Eine oder Andere auch zu dem Ergebnis, dass hier neue Wege bestritten werden müssen und eventuell ist das gekidnappte Profil im sozialen Netzwerk auch der erste Lösungsansatz dafür.

>> Carstens Blog
>> Facebook-Seite des Ökumenischen Kirchentages
>> YouTube Channel der Katholischen Jugend Wien

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There is one comment for this post

  1. Eva sagt:

    Als ich dies gerade las, musste ich an deinen Eintrag denken.

    Web 2.0er
    von Howard Lauer

    Paulus schrieb den Web2.0ern:
    Ihr sollt nicht in den Messwein pullern.

    Gernhardts Original fand ich schon gut, aber hier sind auch einige gute dabei: http://www.hanebuechlein.de/paulusbriefe/index.php

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