Mein Verband, meine Einrichtung im Web 2.0? 0
Für viele Organisationen stellt sich inzwischen die Frage, ob sie nicht Kosten sparen und junge Zielgruppen besser erreichen, wenn sie die die das Web 2.0 prägenden Plattformen nutzen. Dafür sind die Fragen zu klären, ob es sich lohnt eigene online Community aufzubauen und was es erfordert bestehende soziale Netzwerkplattformen erfolgreich zu nutzen.
Gerade aus der Sicht von religiösen Organisationen kann die erste Frage ziemlich schnell abgehandelt werden. Denn schlichtweg sei gesagt, dass der Aufbau einer eigenen online Community sich bei Betrachtung des normalen Userverhaltens nie lohnen wird. Der Trend, dass jedes Unternehmen und jede Einrichtung versucht, ein eigenes Portal aufzubauen, ist zwar noch nicht vorbei, aber großen Erfolg haben nur die Firmen gehabt, deren Kerngeschäft der Aufbau von sozialen online Netzwerken ist. Übrig geblieben sind dabei vor allem die internationalen Firmen, wie Facebook, Xing und Twitter und selbst diese schaffen es abgesehen von Xing bisher nicht, schwarze Zahlen auf ihren Firmenkontos zu schreiben. Neben den Großen gibt es zwar noch eine Vielzahl an regionalen und nationalen Anbietern, aber gerade diese werden bei den Usern immer unbeliebter, da hier eben nur eine begrenzte Anzahl von regionalen „Freunden“ erreicht wird.
Damit ist auch schon der Punkt erreicht, wo erkennbar wird, dass es sich bei den Netzwerken hauptsächlich um Plattformen der Selbstpräsentation handelt. Wichtigstes Merkmal sind dabei die Profile für User und Organisationen, die eigenständig gepflegt werden müssen. Je erfolgreicher das Profil gepflegt wird, desto mehr „Freunde“ und „Fans“ gibt es, wenn man von den benutzen Begriffen in Facebook ausgeht. Grundsätzlich muss hier also die Frage gestellt werden, ob es real existierende Personen gibt, die sich mit dem eigenen Verband oder einem Projekt soweit identifizieren, dass sie sich öffentlich im Internet als „Fans“ davon bezeichnen würden.
Dabei ist sehr wichtig, dass mindestens 50 Personen in den ersten beiden Monaten motiviert werden digitale Fans und Freunde zu werden. Anderenfalls lohnt sich der Aufwand für die Pflege des Profils zumindest in dem Fall Facebook langfristig nicht, wie eine gesonderte Teilauswertung der Daten aus der Studie „Religiöse Sinnangebote im Web 2.0“ gezeigt hat. Insgesamt kann dabei auch festgestellt werden, dass etwa nur 30% der existierenden Profile religiöser Gruppen im Web 2.0 erfolgreich sind.
Natürlich kann hier argumentiert werden, dass auch zweidrittel der nicht-religiösen Organisationen mit ihrem Onlineprofilen im Web 2.0 scheitern, doch im Gegensatz zur Kirche sind diese viel stärker im Internet präsent. So ist es wichtig, dass gerade die kleine Präsenz der Kirche im Internet erfolgreicher ist als die der weltlichen Konkurrenz, um eine junge Zielgruppe zu erreichen.
Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden ist eine der wesentlichen Fragen, die vor der Einrichtung eines Profils in einem sozialen Netzwerk beantwortet werden muss, ob genügend Ressourcen für das digitale Profil der Einrichtung vorhanden sind. Bei den Ressourcen handelt es sich dabei vor allem um Personen, die das Profil regelmäßig pflegen, denn Kosten für die Einrichtung entstehen in den meisten Netzwerken nicht. Die Betreuung eines Profils nimmt zwar durchschnittlich meist nur wenige Minuten pro Tag in Anspruch, doch summiert sich dieser Aufwand über längere Zeit und die Internetnutzer wenden sich schnell ab, wenn es nicht kontinuierlich neue Statusmeldungen, News und Informationen gibt.
Erst einmal unwichtig für den Erfolg eines Profils ist dafür die Anzahl der Personen, die sich um die Betreuung kümmern oder aber ob die Pflege ehren- oder hauptamtlich geschieht. Gerade die Möglichkeit junge Ehrenamtliche mit einzubinden kann dabei als weitere Chance für den Verband oder die Einrichtung gesehen werden, da diese auf Grund ihres Alters zumeist sehr nah an der Sprache und den Interessen der Zielgruppen dran sind.
Das Web 2.0 bietet folglich mehrere Möglichkeiten, bei sehr geringen Kosten, eine junge Zielgruppe zu erreichen und mit einzubinden. Sehr wichtig ist auch darüber hinaus zu erkennen, dass es gerade im Web 2.0 um eine zweiseitige Kommunikation handelt und die Internetnutzer oftmals davon Gebrauch machen veröffentlichte Meldungen zu bewerten oder zu kommentieren. Dadurch kann in vielen Fällen ein weiterer Mehrwehrt für den einzelnen Verband entstehen, da er ein direktes Feedback zu Online-, aber auch zu Offlineaktivitäten bekommen kann.
Insgesamt stellt das Web 2.0 somit eine sehr kostengünstige Alternative für viele Verbände zur klassischen Werbung dar. Dies beschränkt sich zunehmend im Übrigen nicht mehr nur auf eine junge Zielgruppen, denn auch Erwachsene und Senioren nutzen die Angebote des Web 2.0 mittlerweile sehr regelmäßig.
Am Ende bleibt dennoch bei jedem Verband und jeder Einrichtung die Frage offen, ob das Web 2.0 sinnvoll für die eigenen Interessen genutzt werden kann. Ein Risiko nicht erfolgreich zu sein besteht, doch ist dies im Normalfall zu vernachlässigen, da ein Profil im Internet meist genauso schnell wieder gelöscht ist, wie das es eingerichtet wurde. Aus dieser Sicht scheint die beste Herangehensweise für die meisten Organisationen zu sein, einfach über einen kurzen Zeitraum zu testen, wie die Resonanz auf das eigene digitale Profil ist.

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