Besuch von den Zeugen 3
In der letzten Zeit passieren so viele interessante Dinge und so hab ich doch tatsächlich auch einmal Besuch von den Zeugen bekommen, die recht unerwartet, aber ich glaub, dass machen sie fast immer, vor meiner Tür standen.
Als es klingelte dachte ich noch, wär doch echt lustig, wenn dich nun auch einmal die Zeugen besuchen würden und als ich die Tür aufmachte staunte ich nicht schlecht als dort zwei ältere Damen vor mir standen und sofort los legten.
„Möchten Sie nicht auch ein erfülltes Leben“, dabei deuteten sie auf einen Schriftzug auf einem sehr vergilbten Papier. „Möchten Sie nicht auch keine Sorgen mehr haben“ oder „Möchten Sie nicht auch ins Paradies?“ „Jeder Mensch möchte dies doch gerne.“ An der Stelle hab ich dann einmal eingehakt und sehr plump nachgefragt, wie lange das in etwa noch dauern würde. „Nur zwei Minuten“, so die Antwort und ich sagte einfach mal ok. Es ist sicherlich nicht unbedingt meine Art so „unhöflich“ zu reagieren, aber noch unhöflicher find ich es sich nicht vorzustellen und ungefragt eine Art Monolog vorzutragen.
Aber es wurde noch besser und zwar reagierte die Frau, welche direkt vor mir in der Tür stand und den Part des Sprechens zumeist übernommen hat, auf mein Kreuz, welches ich sichtbar trug. An der Stelle versuchte sie mich auf ihre Seite zu holen über die christliche Lehre und Verpflichtung, welche damit verbunden ist. Was sie mit Verpflichtung meint, dass ist vor allem das Leben nach den Regeln der Zeugen, welche sich alle fein säuberlich in der Bibel an den unterschiedlichsten Stellen wiederfinden. Auch das hinweisen darauf, dass ich fest in meinem katholischen Glauben stehen würde ließ die beiden Damen nicht davon ab, vielleicht hätte es ja für mich irgendwie dadurch mehr Punkte oder so gegeben, wenn die Bekehrung geklappt hätte. Naja wie es auch sei weiter im Verlauf des Gespräches machten sie darauf aufmerksam, dass ihre Regeln durch alle Kulturen hinweg gleich wären und überall gleich gelebt würden, was den Anreiz für mich noch steigern sollte bei ihrem Club mit zu machen. Aber falsch, denn auch wenn die Dame ständig redete hab ich mir Gehör verschafft und zwar bin ich auf das Thema kulturelle Unterschiede eingestiegen und hab den beiden Damen einmal einen Vortrag darüber gehalten, welche Unterschiede es auf der Welt gibt und es eine Utopie ist, dass ihre Regeln von allen ihren Mitgliedern weltweit gleich gelebt würden. Das hab ich dann noch praktisch unterlegt durch meine Erfahrungen und die beiden Damen waren ein wenig sprachlos. Das sah dann so aus, dass die Frau, welche im Hintergrund stand in ihren Büchlein immer schneller hin und her blätterte um der anderen Frau irgendwelche Stichwörter zu flüstern.
Das Gespräch hat ab dort ein ziemlich schnelles Ende erfahren und zwar starteten die beiden noch einen Versuch mit jetzt komplett mit Bibelstellen voll zu texten und mir kleine Vorwürfe zu machen, doch meine Aussage an der Stelle war ganz einfach: Ich besitze so viel von Gottes Liebe, auch wenn ich nicht die ganze Bibel auswendig kann.
Ich sag einmal, dass hat gesessen, denn im nächsten Schritt meinten sie nur zueinander, dass ich vom Teufel besessen wäre. Ähm, ich glaub die beiden haben mich da missverstanden, denn die Rede war bei mir vorher von Gott und der Liebe und nicht vom Teufel an den ich nicht glaube. Ende der Geschichte war, dass ich noch zwei Comics geschenkt bekommen hab, die sofort in den Müll gewandert sind und die beiden Damen ziemlich erbost – so jedenfalls mein Eindruck – abgewandert sind.
Och, schade, du hast dieses kostbare, kostbare Kulturgut der Zeugen-Comics einfach weggeworfen? Ich find die Dinger herrlich zum amüsieren. (neinein, schon gut, du musst sie nicht rauskramen und mir schicken.)
Ja, das kommt mir bekannt vor. Ich glaube, da gibts ein fixes Schema wie das so abläuft. Andererseits habe ich auch einen gewissen Respekt vor den Zeugen Jehovas, weil wir einfach nicht vergessen sollten, dass sehr viele aufgrund ihrer konsequenten Kriegsverweigung vom nationalsozialistischen Regime ermordert wurden. Das geht dann ob solchen Szenen, wie du sie schilderst, halt auch unter. Ich bin mal in so einem Gespräch aufs Thema Homosexualität gekommen – da waren sie dann nur noch verwirrt, wie jemand sagen kann, dass ist okay wie jede andere sexuelle Orientierung auch. Da ist ihnen dann nicht mal mehr der Teufel eingefallen.
Ich glaub, die sind besonders immer in der Fastenzeit aktiv. Nach der “Wir zahlen eure Krise nicht”-Demo hier in Wien ist mir auch irgend so einer nachgekrochen und wollt unbedingt diskutieren. Ob ich glaube, ewiges Leben zu haben. Puh, war der eine Klette… Ich hätt ja nicht einmal die Tür vor der Nase zuschlagen können