Der Junge mit der Rose 0
Am letzten Donnerstag war ich in Wien unterwegs und so hatte ich am Nachmittag auch einen Termin im Büro der Jugendkirche. Da ich es schon schaffte sehr früh dort zu sein und auch noch eine kleine Pause brauchte setzte ich mich auf eine der Bänke in der Nähe der Jugendkirche.
Kurze Zeit später sah ich dann schon einen Jungen auf mich zukommen mit Rosen in der Hand. Der Junge erinnerte mich an diese klassischen Filmszenen, wo ein Blumenverkäufer durch Restaurants geht und dort versucht Blumen an verliebte Paare zu verkaufen. Aber ich saß nun einmal auf einer Bank draußen im Freien neben einer größeren Straße und ich war alleine.
Zuerst hoffte ich noch, dass der Junge an mir vorbei ziehen würde, doch natürlich steuerte er direkt auf mich zu. Er wollte mir natürlich eine Rose “schenken” gegen eine Spende. Der Junge, wohl aus Rumänien, wenn ich das gestammel aus seiner Show richtig verstanden habe. Doch was nun tun, der Junge wollte Geld, dochirgendetwas hielt mich davon ab ihm welches zu geben. Als ich sagte, dass ich ihm kein Geld geben kann fing er dann auf Knopfdruck an zu “weinen” und erzählte mir wie schlecht es mir gehen wird in der Zukunft usw.. Naja, seine Show war nicht schlecht und doch konnte er mich nicht überzeugen mit seinen Prophezeihungen, dass ich tausend Jahre nun im Unglück leben würde. Doch was tun um der Sache gerecht zu werden? Geld kam für mich nicht in Frage, weil damit helfe ich nicht unmittelbar. Jedenfalls solange nicht, wie ich nicht weiß wofür er das Geld einsetzt. Doch was tun, vielleicht brauchte dieser Junge doch Hilfe und hatte wirklich Hunger und blieb aus dem Grund auch so stur bei mir stehen.
Nach ein wenig überlegen fiel mir dann ein, dass ich noch einen Schokoriegel in der Tasche hatte und da überlegte ich mir, dass das die Lösung sein könnte. Ich schenkte ihm diesen kurzerhand und für mich war klar, dass was nun passieren würde mein weiteres Vorgehen beeinflussen würde, ob ich ihm zum Beispiel in einer nahegelegenen Bäckerei noch etwas richtiges zu Essen kaufen würde.
Dies war sicherlich die beste Idee in dieser Situation, da er auf der Stelle mit seiner Show aufhörte und ohne ein Dankeschön weiter zog und sich den Schokoriegel rein stopfte mit einem schelmischen Grinsen auf der Backe, dass ausdrückte: “Den hab ich jetzt aber gut reingelegt”.
Im Nachhinein hab ich mich selbst gefragt, ob ich dem Jugen sauer sein sollte, weil er versucht hat mit meinen Gefühlen zu spielen, aber irgendwie ist das aktuell keine Option, da er mir keinen Schaden zugefügt hat. Es ist sogar eher so, dass ich ihm dankbar bin für diese fast kostenfreie Erfahrung und mich eigentlich ermutigt noch mehr dahin zu schauen, wo wirklich nicht-finanzielle Hilfe benötigt wird, denn da kann ich mir sicher sein, dass die Hilfe, welche ich leisten kann, dann auch richtig ankommt.
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