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  • am 28.01.2009
  • um 23:41 Uhr
  • von Stefan

Ehrenamt bei Kirchens 0

Jan28

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In Deutschland wird Ehrenamt sehr groß geschrieben, so dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung sich ehrenamtlich engagiert und auch das allgemeine Interesse etwas zu tun ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Die Bereiche in denen sich die Menschen engagieren sind dabei vor allem „Sport und Bewegung“ (11%[1]) und an dritter Stelle auch „Kirche und Religion“ (6%).

Ein weiterer wichtiger Bereich an dieser Stelle ist auch noch das Engagement im Sozialen, wo die Zahlen sehr stark angewachsen sind in den letzten Jahren. Gerade dieser Bereich ist auch für Kirche sehr interessant, da sie Träger von vielen sozialen Einrichtungen ist.

Hier an dieser Stelle sei auch noch festzustellen, dass Ehrenamtliche, die in Führungspositionen agieren mit zunehmendem Alter immer mehr Ehrenämter wahrnehmen. Hierbei ist der entscheidende Faktor, dass durch die Ausübung von Ehrenämtern ein kontinuierlicher Lernprozess steht, der sicherlich zu mehr Selbstbewusstsein, aber auch zu Fähigkeiten führt, die es ermöglichen, mehrere Ämter nebeneinander auszuüben.

Eine der wichtigsten Ehrenamtsgruppen stellen die Jugendlichen im Alter von 14 und 26 Jahren dar. Diese Gruppe gehört zu den aktivsten und der Trend geht dahin, dass viele Jugendliche bereit sind ihr ehrenamtliches Engagement zukünftig weiter zu erhöhen. In der Shell Studie von 2006 gaben 33% der Teilnehmer an „regelmäßig“ und weitere 42% sich „manchmal“ für soziale oder gesellschaftliche Zwecke einzusetzen.

Die Motive der Jugendlichen sind dabei meist der eigene Vorteil, welche konkret solche sein können wie Kontakte knüpfen, Persönlichkeitsentwicklung oder einen Nachweis für das Curriculum Vitae zu sammeln, welcher bei Bewerbungen Pluspunkte einbringen.

Dadurch, dass die Jugendlichen von heute im Gesamtbild des ehrenamtlichen Engagements noch auf lange Sicht wichtig sind, sollte Kirche hier schon kurzfristig seine Ressourcen intensiver nutzen. Gerade in Zeiten von leeren Kirchenbänken und schwinden Mitgliederzahlen stellt die Möglichkeit des ehrenamtlichen Engagements eine gute Alternative dar um die Trends zu verlangsamen, zu stoppen und sogar umzukehren.

Neben der Jugend muss Kirche sich natürlich auch weiterhin um die Erwachsenen kümmern. Für Erwachsene gibt es in der Gesellschaft meist mehr Möglichkeiten sich freiwillig mit einzubringen. Wo der Jugendliche also seine ganze Freiwilligenarbeit auf ein Projekt bündelt so teilt der Erwachsene seine freie Zeit meist auf mehrere Projekte auf. Dabei sind Abstriche bei Familie, Hobbies und Freunden natürlich vorprogrammiert. Deshalb ist es an dieser Stelle nötig die Prozesse mittelfristig zu optimieren und die Ehrenämter bei Kirche und Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft interessanter zu Gestallten um im Wettbewerb mit anderen Bereichen einen Vorteil zu erlangen.

In der Annahme, dass es zwei Zielgruppen gibt, die unterschiedlich in der Zukunft erreicht werden können gibt es ein Wort, dass in den unterschiedlichsten Zusammenhängen immer wieder auftaucht, bei den Vorschlägen für Anpassungsprozesse, die Kirche im Bereich Ehrenamt durchführen sollte. Hierbei handel es sich um die „Transparenz“ die an vielen Stellen der Prozesse für alle Beteiligten gegeben sein muss.

Ein Lösungsansatz um die pragmatische Jugend von heute nicht zu verlieren und ihnen Möglichkeiten im kirchlichen Raum zu vermitteln, in denen sie sich einbringen können, scheint der Bedarf nach klarer und effektiver Koordination am größten zu sein. Koordination in dem Sinne, dass interessierte Jugendliche mit in bestehende und neu entstehende Projekte vermittelt werden. Moderner wäre hier sogar, dass Jugendliche sich selbst vermitteln können, aber auch Interessierte ganz konkret angefragt werden von Projektträgern. Gerade in Zeiten, wo viel Ehrenamt auf zeitlich begrenzter Projektbasis stattfindet, fehlt es ganz klar an der Transparenz des Angebotes und der Möglichkeiten. Eine Bündelung von Kompetenzen ist also gefragt um die richtigen Personen am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu haben.

Die Ansätze des modernen Werbens von Freiwilligen gehen zwar schon in die Richtung, dass Gruppierungen und Organisationen Ehrenamtsbörsen in Zeitungen nutzen oder sogar ihre Angebote auf gesonderte Webseiten präsentieren. Ansätze, die gut sind und sicherlich auch für (junge) Erwachsene funktionieren, aber für einen heutigen Jugendlichen nicht weit genug gehen.

Den Jugendlichen, den es aus Sicht der Kirche zu erreichen gilt, liest keine Zeitung mehr, sondern er konsumiert und organisiert sich im Internet auf Portalen. Den Konsum können die vorhandenen Internetehrenamtsbörsen, die auch von einigen kirchlichen Einrichtungen betrieben werden noch abdecken, aber der Jugendliche bekommt keine Möglichkeit sich zu organisieren. Organisation in Form von Interaktion zwischen Technik und Mensch. Jeder kann im Internet anonym sein, aber auch dort bestehen Identitäten, auch wenn virtuelle und reale Identität nicht gleich sind. Wichtig ist dieser Punkt, da auch die Internetidentität des Jugendlichen den Pragmatismus an den Tag bringt, den dieser auch in der realen Welt zunehmend hat. Wertschätzung und Umworben werden sind Schlüsselfaktoren auf der einen Seite, aber auch Profil zeigen auf der Anderen gehört dazu.

Was könnte denn nun an dieser Stelle eine Forderung oder genauer gesagt ein praktischer Lösungsansatz sein? Vorstellbar wäre ein Ehrenamtsportal, welches in allen Bereichen der deutschen oder sogar deutschsprachigen Kirche genutzt wird. Die Anforderungen an solch ein Portal sind in Anbetracht der technischen Möglichkeiten sehr gering und der Ort für solch ein Portal ist das Internet, da es Orts- und Zeitunabhängig ist.

Denkbar wäre ein Portal, wie „Monster.de“, das dem User die Möglichkeit gibt ein eigenes Profil einzurichten mit kleinen Steckbriefen und auch Suchabfragen. Über die Steckbriefe können in dem Fall von Monster die Firmen, für die zu besetztenden Stellen, passende Mitarbeitern suchen. Dieses wäre für den ehrenamtlichen Bereich genau so denkbar und würde es Vereinen und Organisationen sehr vereinfachen heraus zu finden, ob eine Person Interesse an weiteren Ehrenämtern hat.

Der andere Weg, über die Suchabfragen, bedeutet bei Monster, dass Firmen ihre Stellen ausschreiben und die User über die Stelle informiert werden, die eine entsprechende Suchabfrage eingerichtet haben mit den Merkmalen der Stelle. Hierbei liegt es dann in der Hand des Users sich auf der ausgeschriebenen Stelle zu bewerben. Dies wäre anderes, aber sicherlich einfacher als die bisher gängige Praxis im Bereich von Kirche, wo Ehrenamtliche meist müßig im direkten Gespräch gewonnen werden.

Durch die Ausschreibung von Stellen würde auch die Transparenz der Angebote sich steigern und dadurch auch die Gesamtwahrnehmung von Kirche und ihren Projekten in der Bevölkerung größer werden.

Um das Umfeld für ehrenamtliches Engagement bei älteren Ehrenamtlichen zu verbessern sollten vor allem die Prozesse langsam optimiert werden. Ein Ansatz dabei wäre die Reduzierung von innerkirchlicher Konkurrenz und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Gerade bei inhaltlicher Arbeit könnte der Vorteil der Gemeinschaft viel stärker genutzt werden als es derzeit der Fall ist.

Ein konkretes Beispiel könnte die Bündelung von Wissen und Aktionen sein zu bestimmten Festtagen und Zeiträumen. Es ist zum Beispiel Unsinn, dass zur Fasten- oder Adventszeit jede kirchliche Gruppierung ein besinnliches Angebot schafft, dass am Ende nicht nur innerkirchliche Konkurrenz darstellt, sondern auch viel doppelte Arbeit und bei Misserfolg auch Frust für den Ehrenamtlichen. Dabei wäre es viel einfacher, dass vorhandene Ressourcen gemeinsam genutzt werden innerhalb der Gemeinde, aber auch innerhalb der ganzen Kirche. Warum soll jeder, der einen Gottesdienst vorbereitet eigene Fürbitte schreiben, welche am Ende doch irgendwo schon vorhanden sind. Hier wäre die Idee über die Einrichtung einer Ressourcendatenbank denkbar.

Mit den einfachsten Mitteln wäre so etwas mit Hilfe des Internets umzusetzen, doch es müssten viele Bereiche abgedeckt werden und dazu müssten viele Personen mitmachen. Dabei wäre es wünschenswert, dass Nachahmung von erfolgreichen Aktionen stattfindet und weniger Gute einfach verbessert werden. Hierbei würde dann im Vordergrund stehen, dass keiner Dinge neu erfinden muss, aber jeder die Möglichkeit hat an der Weiterentwicklung von Projekten teil zu haben. Durch das gemeinschaftliche Arbeiten besteht für den einzelnen Ehrenamtlichen viel weniger Arbeitsaufwand. In diesem Zusammenhang könnte es dann auch zu einer Fokussierung kommen, so dass Erwachsene ähnlich wie Jugendliche nur ein bis zwei Projekte unterstützen. Dies stellt für die Gesamtgesellschaftliche Entwicklung kein Problem dar, da Projekte in der Zukunft generell kürzer und zeitlich begrenzter stattfinden werden. Eine Bündelung von ehrenamtlichem Engagement stellt somit zwar eine Herausforderung für die Organisationen dar, aber kein neues Problem, wenn sie diesen Trend berücksichtigen. Es ist nun mehr sogar eher positiv, wenn Menschen sich viel bewusster für ein Projekt entscheiden, welches zum Beispiel über ein halbes Jahr geht, als das sie vier oder fünf Jahre sehr wechselhaft sich in einer Aufgabe engagieren.

Wichtig bei einer Bündelung von Kompetenzen scheint zu sein, dass damit nicht auch der Freiraum für neue Entwicklungen verkleinert wird. Es muss immer die Möglichkeit geben auch einmal neue Gedanken zu äußern und von bestehenden Konzepten komplett abzuweichen. Gerade bei Kirche scheint aber dieses nicht unbedingt möglich zu sein, da viele auf die bestehenden Traditionen beharren oder das was diese unter Tradition alles abstempeln. Förderlich ist dieses nicht, wobei auch nicht jede neue Idee gleich gut sein muss, aber neue Ideen brauchen auch Platz um sich zu entwickeln.

Zusammengefasst kann man festhalten, dass Kirche handeln sollte um weiter im Wettbewerb zu bleiben um Freiwillige. Lösungswege gibt es einige, aber die erfordern allesamt Bewegung und auch einen Raum um sich zu entwickeln.


[1] Studie „Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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