Schweden ist manchmal anders 0
Immer wieder begegnen einem in Schweden Dinge, die anders sind als in Deutschland. Von ein paar Sachen möchte ich nun noch einmal kurz zum Abschluss berichten.
Graffiti
Es gibt sicherlich auch Graffiti in Schweden, aber generell bleibt es eine Ausnahme. So bleiben auf den Autobahnen Schilder verschont, aber auch die Züge sind nicht besprüht.
ÖPNV
Die normalen Züge hier in Schweden sind nicht nur von der Innenausstattung sehr gut, was bequeme Sitze, Anzeige der nächsten Stationen und Internetanschluss bedeutet, sondern auch deren Personal war bisher immer sehr freundlich und zuvorkommend. Die Schaffner sprechen alle neben Schwedisch auch immer Englisch. Das Highlight, welches ich erleben durfte war ein singender Schaffner, der super viel Spaß an seinem Beruf hatte.
Das Wichtigste in Sachen Zugfahren ist aber, dass die Züge immer pünktlich sind. Oft stehen diese schon zwei bis drei Minuten vor Abfahrt am Bahnhof. In dem Fall, dass ein Zug ausfällt gibt es im Übrigen meist innerhalb von wenigen Minuten einen Schienenersatzverkehr mit dem Bus, der einen dann in nur wenig mehr Zeit zum nächsten Bahnhof bringt.
Auch sonst ist Bus fahren an einigen Stellen eine sehr gute Alternative, denn die Kosten sind oft sehr gering. Der Preis ist dabei von den Städten und vor allem auch den Busunternehmen abhängig. Vergleichen lohnt sich also. Von der Möglichkeit mit Handy seine Fahrkarte zu kaufen wird hier in Schweden in den größeren Städten sehr stark Gebrauch gemacht, da es um 20% günstiger ist und sehr unkompliziert funktioniert.
In einigen Städten gibt es beim Personennahverkehr für Jungendliche und junge Erwachsene (bis 25 Jahre) auch noch einmal extra Vergünstigungen von 50% auf den Erwachsenenpreis.
Warteschlangen
Die Schweden sind ein Land indem Gleichberechtigung groß geschrieben wird. Das gilt nicht nur bei Geschlechterfragen, sondern auch in Warteschlangen. So ordnen die Schweden sich meist in eine Reihe ein, egal wie viele Schalter bzw. Kassen es gibt. Es ist ein gerechtes System, auch wenn die Schlangen einen oftmals abschrecken, da sie sehr lang sein können. Das Gute an diesen Wartereihen ist, dass dort immer Bewegung drin ist und man nicht gegebenenfalls an einer Kasse nicht weiterkommt, da der Kunde vor einem sein Kleingeld nicht aus dem Portemonnaie bekommt.
Ein anderes System, was gerne in Apotheken und größeren Geschäften genutzt wird, dass sind Ticketnummern. So zieht man ein Ticket aus dem Automaten und irgendwann wird das Ticket dann mit einer Anzeige zu einem Schalter zugewiesen.
Der wichtigste Faktor beim Einkaufen in Schweden ist die Zeit und davon sollte man ein wenig mitbringen, wenn man los geht. Die Schweden sind in dieser Hinsicht sehr gelassen, egal ob sie hinter einem in der Warteschlange stehen oder ob sie das bedienende Personal sind.
Radio
Wer einmal länger in Schweden unterwegs ist mit einem Auto, welches nur ein einfaches Radio eingebaut hat, der merkt nach kurzer Zeit, dass die Frequenzen sehr oft wechseln. Das finden eines anderen Senders ist zwar nicht direkt ein Problem, doch wenn man Musik hören will, dann kann dies eine größere Herausforderung darstellen. Die Sache ist nämlich die, dass die Moderatoren es lieben sehr viel zu erzählen. So reden sie und reden und es kommt auf die Länge eines Liedes oftmals die gleiche oder sogar mehr Zeit an Redebeitrag.
Kinder
Es ist unglaublich, wie viele Kinder man hier in Schweden sieht. Vor allem Kleinkinder im Kinderwagen sieht man sehr oft mit ihren Eltern unterwegs. Dabei sind es nicht nur Mütter, die spazieren gehen, sondern auch die Väter. Kindererziehung ist Aufgabe von beiden Elternteilen und oftmals sehr selbstverständlich, so dass auch eine nicht geringe Anzahl von Vätern zu Hause bleiben an Stelle der Mutter.
Auffällig ist bei dem Thema Kind auch, dass sämtliche Einrichtungen darauf ausgelegt sind, dass Eltern mit ihren Kleinkindern vorbei kommen. Im Kaffeehaus gibt es Plätze für Kinderwagen, auf den Toiletten Vorrichtungen zur Pflege der Kinder und auch Sitzmöglichkeiten für die Kleinen.
Handys
Schweden ist das Land der Handys und Kommunikation mit dem diesem Medium ist viel Populärer als in Deutschland. Auch die benutzten Technologien auf diesem Sektor sind der verwendeten Technik ein bis zwei Schritte voraus. Dies liegt zum einen daran, dass viele Technologien hier in Schweden entwickelt werden und es neben den großen Firmen auch viele kleinere Unternehmen gibt, die Technologien weiterentwickeln und diese später an die großen Verkaufen.
Insgesamt ist auch die Nachfrage sehr viel größer und so ist es für Senioren ebenso selbstverständlich das Handy für SMS, Telefonie und Datendienste zu nutzen, wie für Jugendliche und Kinder.
Autofahren
Die Straßen in Schweden sind recht gut erhalten und Baustellen gibt es fast keine. Was ein wenig Schade ist, dass ist die geringe Anzahl von Autobahnen. Oftmals sind die Autobahnen unterbrochen durch Landstraßen und sogar Ortschaften. So gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen von 30 und 50 km/h in Ortschaften, auf der Landstraße gibt es dann in 10er Schritten alles zwischen 50 und 110 km/h und auf der Autobahn darf dann 110 km/h und in einigen Ausnahmen sogar 120 km/h gefahren werden.
Die ganzen Begrenzungen haben etwas mit der Nulltoleranz-Grenze zu tun, die besagt, dass die Todesopfer auf Straßen bis auf null reduziert werden soll.
Da die Schweden Regeln sehr wichtig nehmen halten sich auch alle daran und gehen meist auch noch einen Schritt weiter. Das heißt leider, dass sie die Höchstgeschwindigkeit oftmals noch um 10 bis 20 km/h unterbieten. Gerade auf den einspurigen Landstraßen ist es dann oftmals schwierig zu überholen, wenn man die Strecke nicht genau kennt.
Ein sehr positives Merkmal der Landstraßen ist an vielen Stellen, dann aber doch deren Breite. Der Standstreifen ist so breit, dass dort sehr leicht ein Auto fahren kann und wird dazu genutzt schnelleren Autos Platz zu machen, damit sie überholen können. Die Standstreifen sind im Übrigen auch extra dafür konstruiert und werden nur mit einer gestrichelten Linie abgegrenzt. Ich denke, dass sollte in Deutschland auch Einzug erhalten, da die Anzahl von gefährlichen Überholmanövern enorm gesenkt wird.
Eine nicht so schöne Erfindung auf den Straßen von Schweden sind die Blitzen. Diese gibt es auf sehr vielen Straßen und so kann es vorkommen, dass auf 100 Kilometer Straße mehr als 13 Blitzen stehen. Da es in Schweden ein Vermögen kostet sich blitzen zu lassen habe ich es nicht ausprobiert, ob eine davon funktioniert.
Einkaufsstraßen
Sehr auffällig in den Einkaufsstraßen der schwedischen Städte und Dörfer ist die Sauberkeit dort. Man findet zwar auch hier das ein oder andere Mal ein Kaugummi auf dem Boden oder einen Zigarettenstummel, aber das war es auch schon. Die Anzahl von Mülleimern spielt dabei anscheinend keine Rolle, da sie in ähnlicher Nummer, wie in Deutschland vorhanden sind.
Rauchen
Zu behaupten, dass die Schweden gar nicht Rauchen, dass ist falsch, aber sie tun es viel weniger als die Deutschen. In öffentlich zugänglichen Gebäuden herrscht ein allgemeines Rauchverbot ohne jegliche Ausnahme. Das funktioniert super und ich als Nichtraucher hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass ich zugequalmt wurde. Echt bemerkenswert und auf mittlere Sicht auch ein Ansatz, der in Deutschland durchgesetzt werden sollte. Ausnahmen sind total verkehrt bei dem Thema.
Alkohol
Ein sehr leidiges Thema in Schweden. Die Alkoholsteuer ist richtig hoch und so bezahlt man hier in etwa das Doppelte vom deutschen Preis. Eine Aussage, die ich hier einmal gehört habe ist, dass die Schweden sich schon heute auf den Tag freuen, wo die EU die strikten nationalen Bedingungen kippt. Es soll der nächste Feiertag werden.
Was beim Thema Alkohol sehr erschreckend ist, dass ist die Tatsache, dass es ein richtiges schwedisches Problem darstellt. So ist es nicht untypisch, dass direkt am Freitagnachmittag, dass verdiente Geld im staatlichen Alkoholsupermarkt umgesetzt wird. Dann kippen sich die Schweden das ganze Wochenende einen, bis sie nichts mehr wissen am Sonntagabend und dann geht es wieder zur Arbeit am Montag.
Ein Grund, dass die Leute dort solch ein Konsumverhalten an den Tag legen könnte eventuell an den Lichtverhältnissen. Die meiste Zeit des Jahres ist es hier vornehmlich dunkel und die Sonne kommt nur für wenige Stunden am Tag durch. Das ist sicherlich etwas, was das Gemüt depressiv werden lassen kann über einen längeren Zeitraum.
Pubs & Clubs
Diese gibt es nur sehr bedingt und am Eingang gibt es strikte Kontrollen. So muss immer ein Lichtbildausweis mit sich rum getragen werden um Einlass zu erhalten und auch derjenige, der richtig betrunken wirkt erhält keinen Zutritt. Eine gute Regel aus meiner Sicht, vor allem wenn es darum geht, dass die Personen erst ab einem bestimmten Alter in die Einrichtungen dürfen.
Was nicht so gut war, dass die Clubs um Punkt 3 Uhr die Musik ausdrehen und alle Leute gehen müssen. In Pubs ist dieses oftmals schon eine Stunde früher um 2 Uhr.
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